Die häufigsten ARIA-Fehler auf Websites sind fehlende oder falsch gesetzte ARIA-Labels, falsch verwendete Rollen, redundante ARIA-Attribute auf semantisch korrekten HTML-Elementen sowie widersprüchliche Beschriftungen durch gleichzeitige Nutzung von aria-label und sichtbarem Text. Diese Fehler entstehen oft, weil ARIA-Attribute ohne ausreichendes Verständnis der zugrunde liegenden Spezifikation eingesetzt werden. Der folgende Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um ARIA-Fehler, ihre Ursachen und wie Sie sie systematisch erkennen und beheben können.
Welche ARIA-Fehler treten auf Websites am häufigsten auf?
Die verbreitetsten ARIA-Fehler auf Websites sind leere aria-label-Attribute, fehlende Pflichtattribute bei ARIA-Rollen, falsch verschachtelte ARIA-Landmark-Bereiche sowie die Verwendung von aria-hidden="true" auf fokussierbaren Elementen. Hinzu kommt die unnötige Zuweisung von ARIA-Rollen auf Elementen, die bereits eine native semantische Bedeutung tragen.
In der Praxis begegnen Entwicklern und Barrierefreiheitsprüfern folgende Fehlertypen besonders häufig:
- Leere oder nichtssagende Labels: Ein
aria-label=""ohne Inhalt oder mit einem Label wie „Button“ oder „Link“ liefert Screenreader-Nutzern keine verwertbare Information. - Fehlende Pflichtattribute: Bestimmte ARIA-Rollen wie
role="combobox"oderrole="slider"erfordern spezifische Zustandsattribute (z. B.aria-expanded,aria-valuenow). Fehlen diese, verhält sich das Element für assistive Technologien unvorhersehbar. - aria-hidden auf fokussierbaren Elementen: Wenn ein Element mit
aria-hidden="true"dennoch per Tastatur erreichbar ist, wird es von Screenreadern übersprungen, bleibt aber im Fokus sichtbar. Das erzeugt eine sogenannte „Fokus-Falle“. - Doppelte Landmark-Bereiche: Mehrere
<main>-Elemente oder mehrererole="banner"-Bereiche ohne eindeutige Beschriftung verwirren die Navigation für Screenreader-Nutzer. - Redundante ARIA-Rollen: Einem
<button>-Element zusätzlichrole="button"zuzuweisen, ist zwar nicht schädlich, aber unnötig und ein Zeichen für fehlerhaftes Verständnis der ARIA-Spezifikation.
Diese Fehler lassen sich in vielen Fällen durch automatisierte Barrierefreiheits-Scans identifizieren, auch wenn eine vollständige manuelle Prüfung ergänzend notwendig bleibt.
Warum führen falsche ARIA-Labels zu Barrierefreiheitsproblemen?
Falsche ARIA-Labels führen zu Barrierefreiheitsproblemen, weil Screenreader und andere assistive Technologien ausschließlich auf die programmatisch bereitgestellten Informationen angewiesen sind. Ein fehlerhaftes oder fehlendes Label bedeutet für diese Nutzer, dass ein Element entweder gar nicht oder irreführend beschrieben wird, was die selbstständige Nutzung einer Website erheblich einschränkt oder unmöglich macht.
Sehende Nutzer können visuelle Hinweise wie Farbe, Position und Form nutzen, um die Funktion eines Elements zu erkennen. Für Screenreader-Nutzer existieren diese Hinweise nicht. Sie erhalten stattdessen den Textinhalt oder das ARIA-Label eines Elements vorgelesen. Ist dieses Label leer, generisch oder irreführend, verlieren sie den Kontext und können das Element nicht sinnvoll bedienen.
Ein konkretes Beispiel: Ein Icon-Button ohne sichtbaren Text, dem kein aria-label zugewiesen wurde, wird von einem Screenreader möglicherweise nur als „Button“ oder gar nicht angekündigt. Der Nutzer weiß nicht, ob er damit ein Formular absendet, ein Menü öffnet oder eine Datei löscht. Solche Unklarheiten sind keine Randerscheinung, sondern stellen reale Nutzungsbarrieren dar.
Darüber hinaus können widersprüchliche Labels entstehen, wenn sichtbarer Text und aria-label unterschiedliche Informationen transportieren. Screenreader lesen in der Regel das aria-label vor und ignorieren den sichtbaren Text. Das kann dazu führen, dass sehende und nicht sehende Nutzer dasselbe Element unterschiedlich wahrnehmen, was die Nutzererfahrung inkonsistent und fehleranfällig macht.
Was ist der Unterschied zwischen aria-label, aria-labelledby und aria-describedby?
Der Unterschied liegt in Quelle und Funktion: aria-label definiert eine direkte Textbeschriftung im Attribut selbst, aria-labelledby verweist auf ein bestehendes sichtbares Element als Beschriftungsquelle, und aria-describedby liefert eine ergänzende Beschreibung, die zusätzlich zur Hauptbeschriftung vorgelesen wird.
aria-label: direkte Textbeschriftung
aria-label="Suchfeld" weist einem Element direkt einen Namen zu, der ausschließlich im Attribut hinterlegt ist. Dieses Attribut eignet sich für Elemente ohne sichtbaren Text, etwa Icon-Buttons oder Formularfelder ohne sichtbares Label. Der Nachteil: Die Beschriftung ist nicht im DOM sichtbar und kann daher nicht von Übersetzungstools oder sehenden Nutzern wahrgenommen werden.
aria-labelledby: Verweis auf vorhandenen Text
aria-labelledby referenziert die ID eines anderen Elements, dessen Textinhalt als Name des aktuellen Elements verwendet wird. Das hat den Vorteil, dass der Name sowohl visuell als auch für assistive Technologien verfügbar ist. Typischer Einsatz: Dialoge, die durch eine sichtbare Überschrift beschriftet werden (aria-labelledby="dialog-titel").
aria-describedby: ergänzende Beschreibung
aria-describedby verweist ebenfalls auf ein anderes Element, liefert aber keine Hauptbeschriftung, sondern eine zusätzliche Beschreibung. Screenreader lesen diese Information nach dem Hauptnamen des Elements vor, oft mit einer kurzen Pause. Typischer Einsatz: Hinweistexte zu Formularfeldern, Fehlermeldungen oder ergänzende Erklärungen zu komplexen Steuerelementen.
Wie kann man ARIA-Fehler auf einer Website systematisch erkennen?
ARIA-Fehler lassen sich systematisch durch eine Kombination aus automatisierten Tests, manueller Screenreader-Prüfung und Code-Analyse erkennen. Kein einzelner Ansatz deckt alle Fehlertypen ab, aber ein strukturiertes Vorgehen in dieser Reihenfolge ist für die meisten Websites praktikabel.
Der erste Schritt ist ein automatisierter Scan mit einem Barrierefreiheits-Test-Tool. Automatisierte Tests erkennen zuverlässig strukturelle ARIA-Fehler wie leere Labels, fehlende Pflichtattribute oder ungültige Rollen. Studien und Praxiserfahrungen legen nahe, dass automatisierte Tests etwa 30 bis 50 Prozent aller Barrierefreiheitsprobleme identifizieren können. Das ist ein solider Ausgangspunkt, reicht aber nicht für eine vollständige Prüfung aus.
Im zweiten Schritt empfiehlt sich eine manuelle Prüfung mit einem Screenreader. Dabei navigieren Sie die Website ausschließlich per Tastatur und Screenreader (z. B. NVDA unter Windows oder VoiceOver unter macOS) und prüfen, ob Labels sinnvoll vorgelesen werden, ob Fokus-Reihenfolge und -Sichtbarkeit korrekt sind und ob interaktive Elemente ihren Zweck klar kommunizieren.
Ergänzend lohnt sich eine direkte Code-Inspektion mit den Browser-Entwicklertools. Der Accessibility-Tab in Chrome DevTools zeigt den berechneten Namen und die Rolle jedes Elements an und macht Diskrepanzen zwischen visuellem Erscheinungsbild und programmatischer Beschriftung sichtbar.
Für Teams, die mehrere Websites dauerhaft überwachen, ist eine kontinuierliche automatisierte Überwachung sinnvoll. Änderungen am Code können jederzeit neue ARIA-Fehler einführen, die ohne regelmäßige Scans unbemerkt bleiben.
Welche ARIA-Fehler verstoßen gegen WCAG, BITV oder BFSG?
ARIA-Fehler verstoßen gegen WCAG-Erfolgskriterien aus den Bereichen Wahrnehmbarkeit und Bedienbarkeit, insbesondere gegen Kriterium 4.1.2 (Name, Rolle, Wert) und 1.3.1 (Informationen und Beziehungen). Da BITV und BFSG auf den WCAG-Standards aufbauen, gelten diese Anforderungen auch im deutschen Rechtsrahmen.
Konkret bedeutet das:
- WCAG 4.1.2 (Level A): Alle Benutzeroberflächenkomponenten müssen einen programmatisch bestimmbaren Namen und eine Rolle haben. Fehlende oder leere
aria-label-Attribute auf interaktiven Elementen verstoßen direkt gegen dieses Kriterium. - WCAG 1.3.1 (Level A): Informationen, Struktur und Beziehungen müssen programmatisch bestimmbar sein. Falsch verschachtelte ARIA-Landmarks oder fehlende Rollenangaben verletzen dieses Kriterium.
- WCAG 2.1.1 (Level A): Alle Funktionen müssen per Tastatur bedienbar sein.
aria-hidden="true"auf fokussierbaren Elementen führt zu Tastaturfallen, die gegen dieses Kriterium verstoßen. - WCAG 1.4.3 / 1.4.11 (Level AA): Kontrastanforderungen, die indirekt relevant werden, wenn ARIA-Labels auf nicht sichtbaren Elementen die einzige Informationsquelle sind.
Im Rahmen des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes (BFSG), das seit 2025 für viele digitale Produkte und Dienstleistungen gilt, sind diese WCAG-Kriterien rechtlich verbindlich. Ein automatisierter Barrierefreiheits-Check kann helfen, entsprechende Verstöße frühzeitig zu identifizieren. Ob eine Website die rechtlichen Anforderungen vollständig erfüllt, lässt sich durch automatisierte Tests allein jedoch nicht abschließend feststellen. Dafür ist ergänzend eine manuelle Prüfung und im Zweifelsfall rechtliche Beratung erforderlich.
Wann sollte man ARIA verwenden und wann besser nicht?
Die erste Regel der ARIA-Spezifikation lautet: Verwenden Sie kein ARIA, wenn natives HTML ausreicht. ARIA sollte nur dann eingesetzt werden, wenn ein Steuerelement oder eine Struktur mit standardmäßigen HTML-Elementen nicht ausreichend beschrieben werden kann. In allen anderen Fällen ist natives HTML die bessere Wahl, weil es von Browsern und assistiven Technologien zuverlässiger interpretiert wird.
ARIA sinnvoll einsetzen:
- Benutzerdefinierte Widgets ohne HTML-Äquivalent, z. B. Tabs, Akkordeons, Datepicker oder modale Dialoge
- Icon-Buttons ohne sichtbaren Text, die ein
aria-labelbenötigen - Dynamisch aktualisierte Inhalte, die Screenreader-Nutzer per
aria-liveinformieren sollen - Komplexe Formularstrukturen, bei denen sichtbare Labels und Felder programmatisch verknüpft werden müssen
ARIA vermeiden, wenn:
- Ein natives HTML-Element denselben Zweck erfüllt:
<button>statt<div role="button">,<nav>statt<div role="navigation"> - ARIA-Attribute den sichtbaren Text überschreiben und dadurch Inkonsistenzen erzeugen
- Die ARIA-Rolle nicht zum tatsächlichen Verhalten des Elements passt
Eine häufige Fehlannahme ist, dass mehr ARIA automatisch mehr Barrierefreiheit bedeutet. Das Gegenteil ist oft der Fall: Falsch eingesetztes ARIA kann die Zugänglichkeit einer Website aktiv verschlechtern, weil es korrekte native Semantik überschreibt oder widersprüchliche Informationen für assistive Technologien erzeugt.
Wie decareto bei der Erkennung von ARIA-Fehlern hilft
Wir bei decareto haben eine SaaS-Plattform entwickelt, die Websites automatisiert auf Barrierefreiheitsprobleme scannt, darunter auch häufige ARIA-Fehler. Unser Tool prüft Unterseiten, identifiziert Probleme gemäß WCAG, BITV und BFSG und liefert konkrete Handlungsempfehlungen, damit Sie gezielt und effizient vorgehen können.
Was decareto konkret bietet:
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- Strukturierte Reports mit HTML-Code und CSS-Selektoren der betroffenen Elemente, sodass Entwickler Fehler direkt im Quelltext lokalisieren können
- Dauerhaftes Monitoring mit automatischen Benachrichtigungen, wenn neue Barrierefreiheitsprobleme durch Code-Änderungen entstehen
- Manuelle Erfassung von Problemen, die sich automatisiert nicht erkennen lassen, direkt im Report
- Whitelabel-Funktion für Agenturen und Kanzleien, die Reports unter eigenem Logo an Kunden weitergeben
Bitte beachten Sie: Automatisierte Tests decken typischerweise 30 bis 50 Prozent aller Barrierefreiheitsprobleme ab. Ein gutes Scan-Ergebnis bedeutet nicht, dass keine weiteren Barrieren vorhanden sind. Für eine vollständige Prüfung empfehlen wir ergänzende manuelle Tests. Testen Sie decareto und prüfen Sie Ihre Website auf ARIA-Fehler und weitere Barrierefreiheitsprobleme: Jetzt kostenlos starten.
Dieser Text wurde mit Hilfe von KI erstellt und könnte Fehler beinhalten.
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