{"id":997,"date":"2022-08-16T00:00:00","date_gmt":"2022-08-16T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/decareto-test.qivoro.han-solo.net\/2022\/08\/16\/tcf-illegal-standard-for-consent-banners\/"},"modified":"2024-12-21T14:37:39","modified_gmt":"2024-12-21T14:37:39","slug":"tcf-illegaler-standard-fur-consent-banner-im-automatisierten-werbegeschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/decareto.com\/de\/tcf-illegaler-standard-fur-consent-banner-im-automatisierten-werbegeschaft\/","title":{"rendered":"TCF &#8211; Illegaler Standard f\u00fcr Consent Banner im automatisierten Werbegesch\u00e4ft"},"content":{"rendered":"\n<p>In einem Interview im Dezember 2020 bat der Journalist Richard Gutjahr den Pr\u00e4sidenten der Datenschutzaufsicht Bayern, Michael Will, testweise alle Tracker auf der Website der S\u00fcddeutschen Zeitung abzulehnen. Der Aufseher scheiterte spektakul\u00e4r, weil er sich von \u201cDark Patterns\u201d im Consent-Banner der SZ aufs Glatteis f\u00fchren lie\u00df. Im guten Glauben, die Einwilligung f\u00fcr alle Tracker verweigert zu haben, \u00fcbersah er eine Unterseite, auf der er zus\u00e4tzlich das berechtigte Interesse f\u00fcr diese Tracker h\u00e4tte \u201cdeaktivieren\u201d m\u00fcssen.<a href=\"https:\/\/www.gutjahr.biz\/2020\/12\/wir-pfeifen-auf-ihre-privatsphaere\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"><\/a><\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"lyte-wrapper\" title=\"Der Cookie-Wahnsinn + Live-Gespr&auml;ch mit MdEP Tiemo W&ouml;lken zum EU-Datenschutz\" style=\"width:560px;max-width:100%;margin:5px auto;\"><div class=\"lyMe\" id=\"WYL_pVnOJ3dEk0Q\" itemprop=\"video\" itemscope itemtype=\"https:\/\/schema.org\/VideoObject\"><div><meta itemprop=\"thumbnailUrl\" content=\"https:\/\/decareto.com\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FpVnOJ3dEk0Q%2Fhqdefault.jpg\" \/><meta itemprop=\"embedURL\" content=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/pVnOJ3dEk0Q\" \/><meta itemprop=\"duration\" content=\"PT54M58S\" \/><meta itemprop=\"uploadDate\" content=\"2020-12-11T11:06:36Z\" \/><\/div><div id=\"lyte_pVnOJ3dEk0Q\" data-src=\"https:\/\/decareto.com\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FpVnOJ3dEk0Q%2Fhqdefault.jpg\" class=\"pL\"><div class=\"tC\"><div class=\"tT\" itemprop=\"name\">Der Cookie-Wahnsinn + Live-Gespr\u00e4ch mit MdEP Tiemo W\u00f6lken zum EU-Datenschutz<\/div><\/div><div class=\"play\"><\/div><div class=\"ctrl\"><div class=\"Lctrl\"><\/div><div class=\"Rctrl\"><\/div><\/div><\/div><noscript><a href=\"https:\/\/youtu.be\/pVnOJ3dEk0Q\" rel=\"nofollow\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/decareto.com\/wp-content\/plugins\/wp-youtube-lyte\/lyteCache.php?origThumbUrl=https%3A%2F%2Fi.ytimg.com%2Fvi%2FpVnOJ3dEk0Q%2F0.jpg\" alt=\"Der Cookie-Wahnsinn + Live-Gespr&auml;ch mit MdEP Tiemo W&ouml;lken zum EU-Datenschutz\" width=\"560\" height=\"295\" \/><br \/>Dieses Video auf YouTube ansehen<\/a><\/noscript><meta itemprop=\"description\" content=\"Was steckt hinter den Cookie-Tafeln, die uns im Netz st\u00e4ndig begegnen? Im zweiten Teil (Min.16) berichtet Tiemo W\u00f6lken, 35 (SPD) aus Br\u00fcssel \u00fcber den Kampf gegen Lobbyisten und Tracker. W\u00f6lkens Bericht zum Digital Services Act (DSA) findet Ihr hier: https:\/\/www.europarl.europa.eu\/doceo\/document\/A-9-2020-0177_DE.pdf Die im Gespr\u00e4ch zitierte Grafik zum Lobbyismus in Br\u00fcssel findet Ihr hier: https:\/\/www.lobbycontrol.de\/2020\/09\/big-tech-google-amazon-co-ueben-undurchsichtigen-einfluss-aus\/\"><\/div><\/div><div class=\"lL\" style=\"max-width:100%;width:560px;margin:5px auto;\"><\/div><figcaption><\/figcaption><\/figure>\n\n\n<p id=\"caption-attachment-346\">Richard Gutjahr\u2019s Gespr\u00e4ch mit Michael Will<\/p>\n\n\n\n<p>Dass Consent-Tools nicht das tun, was sie vorgeben, ist nicht ungew\u00f6hnlich. Allerdings haben die S\u00fcddeutsche Zeitung und der Hersteller ihres Consent-Tools (das US-amerikanische Unternehmen Sourcepoint) sich die verworrene Benutzerf\u00fchrung im hier beschriebenen Fall keineswegs selber ausgedacht \u2013 sie halten sich vielmehr, wie praktisch alle europ\u00e4ischen Online-Medien, an einen exakt definierten Standard, das \u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/iabeurope.eu\/tcf-2-0\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Transparency &amp; Consent Framework (TCF)<\/a>&nbsp;\u201c, eine Initiative des Interactive Advertising Bureau (IAB) Europe. Letzteres wacht \u00fcber dessen Einhaltung, und droht Abweichlern mit Ausschluss und somit empfindlichen Umsatzeinbu\u00dfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das IAB Europe ist der europ\u00e4ische Arm des IAB, eines internationalen Wirtschaftsverbandes der Online-Werbebranche mit 650 Mitgliedern. Bezogen auf Deutschland vertritt es vor allem die Interessen der Verlags- und Medienbranche, denn der Online-Vermarkterkreis im Bundesverband Digitale Wirtschaft \u00fcbernimmt f\u00fcr Deutschland die Vertretung im IAB Europe.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit dem TCF ist dem IAB Europe ein Geniestreich gelungen. Es hat nicht nur die gesamte Branche, inklusive solcher Schwergewichte wie Google, auf ein gemeinsames Vorgehen eingeschworen, es konnte bisher auch verhindern, dass dem durch DSGVO und ePrivacy akut gef\u00e4hrdeten Gesch\u00e4ftsmodell seiner Mitglieder die Legitimit\u00e4t entzogen wird. Wie konnte das gelingen?<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">\u201cDie gr\u00f6\u00dfte Datenschutzverletzung aller Zeiten\u201d<\/h2>\n\n\n\n<p>In Europa basiert das digitale Werbe-\u00d6kosystem fast ausschlie\u00dflich auf Display-Werbung, da es keine nennenswerten europ\u00e4ischen Player im Bereich Social Media und Suchmaschinen gibt. Banner-Werbung ist die Haupt-Einnahmequelle aller Online-Medien, mit Content-Abo-Modellen kann nur sehr eingeschr\u00e4nkt Geld verdient werden. In Deutschland&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/154066\/umfrage\/entwicklung-der-umsaetze-fuer-digitale-display-werbung-in-deutschland\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">lag 2021 der Umsatz mit Display-Werbung bei 5.1 Mrd \u20ac<\/a>&nbsp;.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer heutzutage Display-Werbung sagt, meint eigentlich \u201cProgrammatic Advertising\u201d, auch \u201cReal Time Bidding\u201d (RTB) genannt, denn&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.insiderintelligence.com\/content\/germany-programmatic-digital-display-ad-spending\">80% des Display-Werbemarktes<\/a>&nbsp;entfallen auf dieses Verfahren der Anzeigenschaltung.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim RTB wird das Anzeigen-Inventar der Publisher \u00fcber eine komplexe technische Infrastruktur an den meistbietenden Werbetreibenden versteigert, wobei gleichzeitig eine zielgruppengenaue Ansprache \u00fcblich ist, die auf Profilbildung basiert. Aus der Sicht der Medienindustrie mag das eine nachvollziehbare Notwendigkeit sein, Datenschutz-Aktivisten kritisieren allerdings das Ausma\u00df, in dem beim RTB die informationelle Selbstbestimmtheit der Benutzer regem\u00e4\u00dfig verletzt wird \u2013 denn im Rahmen der Versteigerung werden sensible Nutzerprofile an eine Vielzahl von Unternehmen weitergegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>So bezeichnet Johnny Ryan, Mitglied der B\u00fcrgerrechtsvereinigung \u201cIrish Council for Civil Liberties\u201d, und ehemaliger Mitarbeiter beim Browser-Hersteller \u201cBrave\u201d, das RTB in einer Beschwerde an die Irische Datenschutzaufsicht als \u201c&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.iccl.ie\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/1.-Submission-to-Data-Protection-Commissioner.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">die gr\u00f6\u00dfte bekanntgewordene Datenschutzverletzung aller Zeiten<\/a>&nbsp;\u201c. Er f\u00fchrt dabei beispielhaft an, dass Daten-Broker personalisierte Werbung an Benutzer aus Kategorien wie \u201cHirntumor\u201d, \u201cDepression\u201d oder \u201cInkontinenz\u201d anboten. Auch Politikern ist diese Entwicklung ein Dorn im Auge, der Abgeordnete des Europaparlaments Tiemo W\u00f6lken (SPD) fordert bspw. gar ein Verbot personalisierter Werbung.<\/p>\n\n\n\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.iccl.ie\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/Johnny-Ryan-November-2021-910x1080.jpg\" alt=\"JohnnyRyan\" width=\"236\" height=\"242\"><\/p>\n\n\n\n<p>JohnnyRyan<\/p>\n\n\n\n<p>Datenschutz-Regulierungen wie DSGVO und ePrivacy-Reform bedrohen infolgedessen das RTB-Gesch\u00e4ftsmodell akut. Entsprechend massiv ist die Lobbyarbeit des IAB Europe: die Mitgliedsunternehmen engagieren sich nicht nur in Br\u00fcssel, wo sich angeblich 15.000 Lobbyisten tummeln, sondern nehmen auch Einfluss \u00fcber nationale Ministerien.<\/p>\n\n\n\n<p>So geht offenbar auch die DSGVO-Rechtsgrundlage des \u201cberechtigten Interesses\u201d auf erfolgreichen Lobbyismus zur\u00fcck. MdEP Tiemo W\u00f6lken schildert im Interview mit Richard Gutjahr, wie diese als Kompromissformulierung in die DSGVO eingebaut wurde, um eine Pattsituation im EU-Ministerrat aufzul\u00f6sen, und die DSGVO insgesamt erst zu erm\u00f6glichen. Konsequenterweise bezieht sich auch ein Positionspapier der deutschen Bundesregierung zur ePrivacy-Regulierung darauf,&nbsp;<a href=\"https:\/\/corporateeurope.org\/en\/power-lobbies\/2017\/10\/big-data-watching-you\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">und f\u00fchrt den Begriff der \u201clegitimen Gesch\u00e4ftsmodelle\u201d ein<\/a>&nbsp;(\u201c&nbsp;<em>they must not preclude the development and use of legitimate business models; this notably applies to business models that ensure access to information that is influential on user&#8217;s opinion<\/em>&nbsp;&#8222;)<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einf\u00fchrung des TCF \u2013 die Werbeindustrie reagiert<\/h2>\n\n\n\n<p>P\u00fcnktlich zum Inkrafttreten der DSGVO im Mai 2018 stellte das IAB Europe gemeinsam mit seinem Tochterverband IAB Tech Lab eine Spezifikation f\u00fcr einen Standard vor, der den auf den ersten Blick nicht m\u00f6glichen Spagat zwischen Konformit\u00e4t zur DSGVO und Sicherung des RTB-Gesch\u00e4ftsmodelles schaffen sollte. Da der Einsatz von Consent-Tools perspektivisch unvermeidbar schien, sah der Entwurf eine Gestaltung f\u00fcr diese Plattformen vor, mit der der Werbe-Branche m\u00f6glichst wenig Schmerzen zugef\u00fcgt w\u00fcrden. Ein Update erfuhr das&nbsp;<a href=\"https:\/\/iabeurope.eu\/tcf-2-0\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Transparency &amp; Consent Framework<\/a>&nbsp;mit der Version 2.0 im Oktober 2020, zu diesem Zeitpunkt stie\u00df auch Google mit seinem Werbemarktplatz \u201cAd Manager\u201d dazu.<\/p>\n\n\n\n<p>Der TCF-Standard legt ma\u00dfgeblich fest, wie konforme Consent-Tools aussehen und sich verhalten m\u00fcssen, zudem wird das Zusammenspiel zwischen den Medien-Unternehmen (\u201cPublishers\u201d), den Consent-Tools (\u201cCMPs\u201d) und den Akteuren im RTB-Gesch\u00e4ft (\u201cVendors\u201d) geregelt.&nbsp;<a href=\"https:\/\/iabeurope.eu\/wp-content\/uploads\/2021\/09\/TransparencyConsentFramework-_Policies_version_TCF-v2.0-2021-06-22.3.4.docx.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Ein Dokument des IAB<\/a>&nbsp;beschreibt diese \u201cPolicies\u201d auf fast 70 PDF-Seiten. Alle gro\u00dfen Hersteller von Consent-Tools haben sich f\u00fcr den Standard zertifizieren lassen und bieten ihre Produkte zus\u00e4tzlich zur \u201cnormalen\u201d Funktionsweise in einem TCF-konformen Modus an. Das manifestiert sich unter anderem in den folgenden Aspekten.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/decareto.com\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/bannders_1-1024x495.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-234\"\/><\/figure>\n\n\n\n<p id=\"caption-attachment-351\">Zwei typische TCF-Banner<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Exakt definierte Verwendungszwecke<\/h3>\n\n\n\n<p>Das TCF sieht vor, dass Einwilligungen von Besuchern nicht einfach f\u00fcr die Verwendung eines Dienstes eingeholt werden, sondern dass vielmehr jeder Dienst angibt, f\u00fcr welche Zwecke aus einer fest vorgegebenen Liste er Daten verarbeiten m\u00f6chte, wie etwa \u201cEin personalisiertes Anzeigen-Profil erstellen\u201d. Tats\u00e4chlich sieht das Framework nicht einfach nur \u201cZwecke\u201d (Purposes) vor, sondern zus\u00e4tzlich \u201cSpecial Purposes\u201d, \u201cFeatures\u201d und \u201cSpecial Features\u201d. Dabei ben\u00f6tigen Special Purposes aus Sicht des Frameworks keine Einwilligung (etwa \u201cSicherheit gew\u00e4hrleisten, Betrug verhindern und Fehler beheben\u201d), w\u00e4hrend Features und Special Features unterst\u00fctzende technische Ma\u00dfnahmen sind, wie etwa \u201cGenaue Standortdaten verwenden\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Spezifikation l\u00e4sst auch, was die Darstellung dieser Angaben und die Ausw\u00e4hlbarkeit im Consent-Tool angeht, kaum Fragen offen. Die genauen Bezeichnungen und erkl\u00e4renden Texte aller Zwecke liegen als \u00dcbersetzung in 35 Sprachen vor, selbst die M\u00f6glichkeit zur Gruppierung der Purposes in sogenannte \u201cStapel\u201d (\u201cStacks\u201d) ist exakt definiert. In welcher Form all dies auf der \u00dcbersichtsseite des Consent-Tools, und weiteren darunterliegenden Seiten aufgef\u00fchrt wird gibt der Standard vor, und mit Hilfe einer Validator-Software samt zugeh\u00f6riger Checkliste kann die Konformit\u00e4t \u00fcberpr\u00fcft werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Button zum Verweigern aller Einwilligungen auf einen Klick ist laut Spezifikation zwar nicht verboten, wird aber nicht einmal erw\u00e4hnt. Erst beim nachtr\u00e4glichen \u00d6ffnen des Tools muss ein Button verf\u00fcgbar sein, der es m\u00f6glich macht \u201ceine Einwilligung genau so einfach zur\u00fcckzuziehen wie sie gegeben wurde\u201d. Konsequenterweise haben TCF-kompatible Consent Tools praktisch nie einen Button, um alle Einwilligungen auf einmal zu verweigern.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Ergebnis ist ein TCF-konformes Consent-Tool schon optisch unmittelbar als solches erkennbar.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">R\u00fcckgriff auf \u201cBerechtigtes Interesse\u201d<\/h3>\n\n\n\n<p>Die Erfinder des TCF-Frameworks hatten offenbar \u2013 vermutlich berechtigte \u2013 Zweifel, dass die Teilnehmer am Programmatic Advertising ausreichend Benutzerdaten sammeln und verwerten k\u00f6nnen, wenn in jedem Einzelfall eine freiwillige und informierte Einwilligung Voraussetzung ist. Deshalb wurde die Rechtsgrundlage des \u201cberechtigten Interesses\u201d gem. Artikel 6 (1)(f) der DSGVO als zentrales Element integriert. Ein Vendor kann mithin selbst ausw\u00e4hlen, mit welcher Rechtsgrundlage er Daten im Rahmen der vorgegebenen Zwecke verarbeiten will \u2013 Einwilligung oder berechtigtes Interesse. W\u00e4hlt der Vendor berechtigtes Interesse als Rechtsgrundlage, so muss der Benutzer aktiv der Verarbeitung widersprechen, eine nicht erteilte Einwilligung reicht nicht aus. Zudem gibt die Spezifikation vor, dass diese Widerspruchsm\u00f6glichkeit auf einer Unterseite angeboten werden muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Insbesondere dieser Aspekt wird als Kritikpunkt h\u00e4ufig herangef\u00fchrt (s.u.).<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Abgabe von Kontrollfunktionen<\/h3>\n\n\n\n<p>Consent-Tools setzen normalerweise eine Einwilligung zum Verarbeiten von Daten durch einen externen Dienst technisch um, indem sie dem Web-Browser das Laden des Dienstes durch einen Netzwerk-Zugriff erlauben (oder einen Tag-Manager entsprechend instruieren, den Dienst zu laden). Der Dienst hat erst dann die M\u00f6glichkeit, Cookies zu setzen und Nutzerprofile zu bilden. Umgekehrt wird bei einer verweigerten Einwilligung das Laden des Dienstes blockiert.<\/p>\n\n\n\n<p>Angesichts der oben beschriebenen komplexen Strukturierung der Zwecke, sowie der Natur des Real-Time-Biddings, sieht der TCF-Standard ein anderes Verfahren vor: durch die Verwendung des Consent-Tools durch den Benutzer entsteht ein umfassender Datensatz, der genau beschreibt, welches Werbe-Unternehmen seine Daten zu welchen Zwecken verwenden darf. Dieser Datensatz wird als sogenannter \u201cConsent-String\u201d in einem Cookie gespeichert und an die Beteiligten des RTB-Bieterverfahrens verteilt. Ob die Vendoren sich tats\u00e4chlich an die Vorgaben halten, und bspw. auf das Setzen von Cookies oder Abrufen der Standortdaten verzichten, ist ab dann allerdings nicht mehr kontrollierbar.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Kritik am TCF-Standard<\/h2>\n\n\n\n<p>Laut IAB Europe bef\u00e4higt das TCF-Framework \u201cKonsumenten, Einwilligungen zu erteilen oder zur\u00fcckzuhalten, und ihr Recht auf Widerspruch zur Datenverarbeitung auszu\u00fcben\u201d. Es geht sogar noch weiter und schreibt \u201cConsumers also gain more control over whether and how vendors may use certain features of data processing, for example, the use of precise geolocation.\u201d<\/p>\n\n\n\n<p>Europ\u00e4ische Datenschutzaktivisten und Rechtswissenschaftler zeigen sich alles andere als \u00fcberzeugt, und kritisieren seit Jahren Real Time Bidding im Allgemeinen und das TCF-Framework im Speziellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hervorzuheben sind hier bspw. die&nbsp;<a href=\"http:\/\/www-sop.inria.fr\/members\/Nataliia.Bielova\/papers\/Matt-Sant-Biel-20-APF.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Untersuchungen von Nataliia Bielova, Cristiana Santos und Celestin Matte vom franz\u00f6sischen INRIA Institut<\/a>. Das Forscherteam untersuchte die Verwendungszwecke sowie den Einsatz der Rechtsgrundlage \u201cberechtigtes Interesse\u201d im TCF-Standard, und schlussfolgerte, dass der Standard in weiten Teilen der DSGVO und ePrivacy-Richtlinie zuwiderl\u00e4uft. So seien Verwendungszwecke des TCF wie etwa \u201cProdukte entwickeln und verbessern\u201d nicht rechtm\u00e4\u00dfig, da sie zwar zun\u00e4chst verst\u00e4ndlich klingen, aber anders als in der DSGVO gefordert, nicht spezifisch und eindeutig seien, insofern k\u00f6nne eine Rechtsgrundlage \u00fcberhaupt nicht abgeleitet werden. F\u00fcr alle au\u00dfer zwei Verwendungszwecke des TCF sehen die Forscher zudem \u2013 anders als der TCF-Standard \u2013 eine Einwilligung als zwingend notwendig an. Das Forschertrio \u00e4u\u00dfert in seiner Ver\u00f6ffentlichung die Hoffnung \u201cdass diese Untersuchungen sich f\u00fcr Gesetzgeber als n\u00fctzlich erweisen, um bessere Richtlinien f\u00fcr die Spezifizierung von Verwendungszwecken im TCF und \u00e4hnlichen Frameworks zu entwickeln\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p>Gegenwind von einer Aufsichtsbeh\u00f6rde erfuhr das Framework erstmals im Oktober 2020,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.iccl.ie\/news\/gdpr-watchdogs-investigation-finds-that-tracking-and-consent-pop-ups-used-by-google-and-other-major-websites-and-apps-are-unlawful\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">als die Belgische Datenschutzaufsicht (APD-GBA) eine formelle Untersuchung des TCF-Standards begann<\/a>&nbsp;, offenbar als Reaktion auf eine Reihe von Beschwerden, die der \u201cIrish Council for Civil Liberties\u201d unter F\u00fchrung von Johnny Ryan bei mehreren europ\u00e4ischen Aufsichtsbeh\u00f6ren eingereicht hat. Nach Angaben des Councils hat die Beh\u00f6rde festgestellt, dass \u201cder Ansatz des IAB Europe aufzeigt, dass die Risiken vernachl\u00e4ssigt werden, die die Rechte und die Freiheit der Betroffenen beeintr\u00e4chtigen\u201d.<\/p>\n\n\n\n<p>Das IAB Europe reagierte prompt mit einem Statement, in dem es alle Vorw\u00fcrfe zur\u00fcckwies. Ob eine Datenverarbeitung auf Basis des berechtigten Interesses gesch\u00e4he oder nicht sei allein Entscheidung der Anwender des TCF, das IAB gebe hier keine Richtung vor. Und obwohl einige Aufsichtsbeh\u00f6rden ein Profiling auf Grundlage des berechtigten Interesses kritisch s\u00e4hen, so sei es durch die DSGVO ja auch nicht verboten.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein Ergebnis der Untersuchung wurde f\u00fcr Fr\u00fchjahr 2021 angek\u00fcndigt, Anfang November 2021 kam schlie\u00dflich Bewegung in den Vorgang: in einer Pressemitteilung verk\u00fcndete der Irish Council for Civil Liberties plakativ \u201cWe have won\u201d. Im Entwurf eines Beschlusses befand die belgische Datenschutzaufsicht, dass das TCF-Framework gegen die DSGVO verst\u00f6\u00dft und somit illegal ist. Zudem wird das IAB als Verantwortlicher im Sinne der DSGVO gesehen, und zwar f\u00fcr die Verarbeitung des sog. \u201cConsent-Strings\u201d mit den gespeicherten Einwilligungen der Benutzer. Das IAB Europe verbreitete derweil in einer eigenen Stellungnahme Zweckoptimismus: \u201cWe look forward to the outcome of the Cooperation Procedure and stand ready to work with the APD and other DPAs to support companies in the digital advertising industry to ensure that they fully comply with the requirements of EU law.\u201d Zudem legte es Beschwerde beim Belgischen Marktgerichtshof ein.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch der Datenschutzverein NOYB (\u201cNone of your Business\u201d) unter F\u00fchrung von Max Schrems wurde aktiv gegen das TCF-Framework. Im Dezember 2019 legte der Verein Beschwerde bei der franz\u00f6sischen Datenschutzaufsicht CNIL ein und bezog sich dabei auf die Untersuchungen der Inria-Forscher. Dem IAB Europe wurde darin vorgeworfen, \u201cfake consents\u201d zu produzieren. Im Mai 2021 und August 2022 folgten formale Beschwerden, in denen die Werbeindustrie f\u00fcr die Verwendung von \u201cdark patterns\u201d in ihren Consent-Bannern kritisiert wird, insbesondere was das Fehlen einer leicht auffindbaren Ablehnen-Funktion angeht. Auch darauf reagierte das IAB Europe: das TCF Framework gebe einen Minimalstandard vor, die europ\u00e4ischen Beh\u00f6rden seien uneins in der Beurteilung dieser Praktiken, und verantwortlich seien letztlich die Teilnehmer im RTB-Verfahren.<\/p>\n\n\n\n<h1 class=\"wp-block-heading\">Wie geht es jetzt weiter?<\/h1>\n\n\n\n<p>Das Gesch\u00e4ftsmodell des Programmatic Advertising und der dies legitimierende Standard \u201cTransparency and Consent Framework\u201d haben sich bislang als erstaunlich robust erwiesen, obwohl die von Datensch\u00fctzern vorgetragenen Kritikpunkte mehr als stichhaltig scheinen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was den Befund der belgischen Datenschutzaufsicht APD angeht, so hat diese mittlerweile best\u00e4tigt, dass sie die Entscheidung des Marktgerichtshofes abwarten wird, womit fr\u00fchestens im September 2022 zu rechnen ist. Sollte die Beschwerde des IAB dann zur\u00fcckgewiesen werden, so m\u00fcsste der TCF-Standard innerhalb von 6 Monaten in eine konforme Form \u00fcberf\u00fchrt werden. Es bleibt also spannend.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In einem Interview im Dezember 2020 bat der Journalist Richard Gutjahr den Pr\u00e4sidenten der Datenschutzaufsicht Bayern, Michael Will, testweise alle Tracker auf der Website der S\u00fcddeutschen Zeitung abzulehnen. Der Aufseher scheiterte spektakul\u00e4r, weil er sich von \u201cDark Patterns\u201d im Consent-Banner der SZ aufs Glatteis f\u00fchren lie\u00df. Im guten Glauben, die Einwilligung f\u00fcr alle Tracker verweigert [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":2380,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"_seopress_robots_primary_cat":"none","_seopress_titles_title":"TCF - Illegaler Standard f\u00fcr Consent Banner im automatisierten Werbegesch\u00e4ft","_seopress_titles_desc":"Einf\u00fchrung des TCF \u2013 die Werbewirtschaft reagiert - Kritik am TCF-Standard","_seopress_robots_index":"","footnotes":""},"categories":[11],"tags":[],"class_list":["post-997","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-reports"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/decareto.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/997","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/decareto.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/decareto.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/decareto.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/decareto.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=997"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/decareto.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/997\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2114,"href":"https:\/\/decareto.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/997\/revisions\/2114"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/decareto.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2380"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/decareto.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=997"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/decareto.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=997"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/decareto.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=997"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}